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Interview Senioren Thema Freiwilligenarbeit an der Schule Wettingen


Für das Seniorienteam der Schulen Altenburg und Margeläcker nahmen teil:
Schule Altenburg: Frau Ruth Frey, Herr Theodor Fischbach, Herr Ueli Ganz

Schule Margeläcker: Frau Ruth Linz, Frau Pia Oeschger, Herr Wilfried Christen


Wie wird man als Senior/in freiwilliger Mitarbeiter an der Schule Wettingen?

R. Linz: Vor Jahren gab es an der Primarschule Margeläcker eine Informationsveranstaltung der Pro Senectute. Danach durchlief man ein Abklärungsgespräch und konnte starten.

W. Christen: Mein Enkelkind brachte vor Jahren ein A4-Blatt aus der Schule nach Hause, mit dem Senior/innen für die freiwillige Mitarbeit gesucht wurden und meinte zu mir: „Los Grosspapi, das isch öppis für dich, du weisch ja sowieso nöd was mache.“ Ich ging damals tatsächlich an den Informationsabend, wollte danach aber nicht mitmachen. Zu meinem Freund meinte ich: „Nei, drissg Fraue und drüü Manne – chasch grad wieder cheere.“ Die Leute vor Ort haben mich dann aber zum Bleiben überredet und so bin ich nun schon seit 9 Jahren dabei.

R. Frey: Meine Enkelin hat auch einen Zettel mit nach Hause gebracht und meinte: „Das wär doch öppis für dich. Chöntsch doch i eusi Klass cho, das wär cool.“ Ich wollte aber nicht. Später bin ich mit anderen von der Schulleitung zu einem Gespräch eingeladen worden und hatte danach auch noch ein Interview. Von da an war ich gerne bereit mitzuarbeiten. Ich wollte aber nur in den Schulstunden unterstützend mitwirken und nicht auch noch an Projekten. Das mach ich jetzt und es gefällt mir sehr gut.


Was muss ich als Senior/in mitbringen, damit ich eine solche Aufgabe übernehmen kann?

R. Linz: Wichtig ist, dass man Kinder gerne hat und geistig mitkommt.
 P. Oeschger: ...und man muss körperlich genügend fit sein, denn die Betreuung kann  einen ganzen Morgen dauern.
U. Ganz: Auch eine gewisse Offenheit und Neugier muss man mitbringen. Heute wird an der Schule ganz anders gelernt und darauf sollte man sich einlassen können und verstehen wollen, wie das funktioniert.
W. Christen: Man muss grundsätzlich positiv eingestellt sein und den Kindern auch gerne etwas mit auf ihren Lebensweg mitgeben wollen.
 
 

Was war Ihre Motivation, eine solche Aufgabe zu übernehmen?

U. Ganz: Beruflich war ich als Ausbildungsleiter bei der Swissair tätig. Ich hatte während meines Berufslebens immer mit Erwachsenen zu tun und war nun einfach neugierig, wie das heute in der Schule funktioniert. Und ich muss sagen, die Arbeit mit den Kindern ist derart spannend und faszinierend, dass ich trotz meines eher negativ geprägten Schulbilds aus meiner Kindheit bis heute geblieben bin und auch weiterhin mitarbeite werde.


P. Oeschger: Ich habe früher bei der Altersseelsorge mitgearbeitet und mich auf ein Inserat hin gemeldet, weil ich schon immer gerne mit Kindern zusammengearbeitet habe.
R. Linz: Fast 30 Jahre habe ich als Religionslehrerin und in der Zahnprophylaxe in der Gemeinde Wettingen gearbeitet. Zwei Jahre nach der Pensionierung kam dann dieses Angebot. Es hat mich einfach gereizt, wieder in der Schule mitzuarbeiten.

T. Fischbach: Ich bin als Grossvater hineingerutscht. Auch ich war an der damaligen Information der Pro Senectute, habe mich dann aber nicht engagiert. Die Lehrpersonen gingen damals noch nicht so freudig auf die Senioren zu und ich wollte als frischer Pensionär erstmal meine neuen Freiheiten geniessen. Irgendwann später habe ich dann als Ersatz für meine Schwiegertochter die Klasse meines Enkels in den Wald begleitet. Bei dieser Gelegenheit hat mich die Klassenlehrerin überzeugt als Senior in der Schule mitzuarbeiten. Heute bin ich mit Herzblut dabei und habe immer noch grosse Freude, in der Schule mit den Kindern zu arbeiten.


Was sind Ihre Aufgaben an der Schule?

T. Fischbach: Ich helfe vor allem im Fach Mathematik. Übe das 1x1 mit einzelnen Kindern oder unterstütze sie in Kleingruppen bei ihren Mathe-Plänen. Da ich privat im Vogelschutz tätig bin, darf ich den Kindern ab und zu mein Wissen dazu weitergeben. Ich lese auch Geschichten vor und habe auch schon im Turnunterricht geholfen.
W. Christen: Ich unterstütze die Kinder in Mathematik, beim Schreiben und arbeite mit einzelnen Schülern den Stoff nach, wenn sie Unterricht verpasst haben. Hie und da gibt es auch überraschende Momente, in denen Kinder plötzlich etwas Persönliches fragen. Dann kann man ihnen auch etwas vom Leben mitgeben, das sie so vielleicht nicht erfahren.
P. Oeschger: Wie bei den andern helfe auch ich beim Turnen, Basteln, Rechnen, Schreiben und Lesen, nicht aber beim Singen – da bin ich nicht gut. Aber Geschichten erzählen, das mache ich sehr gerne. Ich spüre auch, dass Kinder manchmal sehr auf mich hören, vielleicht weil ich älter bin, oder nicht immer da bin, vielleicht weil ich eine neutrale Person bin und sie spüren, dass ich freiwillig und gerne zu ihnen in die Schule komme.
R. Frey: Zu Beginn war ich angenehm überrascht, wieviel Kompetenz mir die Lehrperson überlassen hat, bspw. beim Korrigieren von Hausaufgaben, mit einzelnen Kindern Schreibübungen machen oder in Halbklassen an verschiedenen Lernposten mithelfen. Am Anfang haben alle Kinder immer nur den Namen der Lehrperson gerufen, heute rufen sie auch meinen. Das freut mich natürlich sehr.

R. Linz: Auch ich mache, was aufgezählt wurde und kann überall mithelfen. Und es ist schon so: Die Kinder schätzen es sehr, dass ich da bin, strecken im Unterricht auch auf und fragen nach meiner Unterstützung. Es ist eine schöne vielseitige Tätigkeit.


U. Ganz: Bei mir kommt noch hinzu, dass ich immer wieder Lieder am Klavier begleite oder künstlerische Themen, wie kurze Vorträge zu Leben und Werk von Malern oder Komponisten vorbereiten und halten darf. Ich schreibe auch Lieder oder Geschichten für die Kinder. Aktuell entsteht gerade eine Geschichte über den Brunnen vor dem Haupteingang Nord der Schule Altenburg.

  

 

Wie geht es Ihnen mit der Arbeitsbelastung?

T. Fischbach: Wenn es mir zu streng wäre, würde ich die Aufgabe nicht übernehmen. Natürlich habe ich auch ein reichhaltiges Privatleben. Aber die Mithilfe in der Schule sowie einen Unterstützungsbeitrag für die heranwachsende Jugend zu leisten, ist mir schon das Wichtigste.
U. Ganz: Für mich ist es einfach ein toller Fixpunkt in der Woche und überhaupt keine Belastung. Wenn ich etwas für die Schule vorbereiten soll, werde ich durch meine Lehrperson immer frühzeitig angefragt und wir klären die Termine gemeinsam.
R. Linz: Es ist ja Freiwilligenarbeit und man kann den Umfang und die Art und Weise der eigenen Beteiligung mit der Lehrperson absprechen. Das ist auch bei der Planung grösserer Ferien möglich oder wenn man einfach länger abwesend sein möchte. Auch muss für den Unterricht ja nichts vorbereitet werden.
P. Oeschger: Ich fehle ja einmal pro Monat und das ist für meine Lehrperson O.K. In diesem Sinne fühle ich mich frei und unbelastet.
W. Christen: Nach vier Stunden Schule bin ich natürlich schon müde. Aber ich gehe sehr gerne, es ist mir fast heilig. Ich möchte die Kinder auch nicht enttäuschen, die sich auf mich freuen.

 

Wie wird Ihr Engagement durch Schulleitung, Lehrpersonen und Schüler/innen wahrgenommen?

P. Oeschger: Meine Lehrerin ist sehr nett und bringt mir jeweils vor den Ferien oder vor Weihnachten etwas mit. Die Kinder bringen immer wieder Zeichnungen und ähnliches. Was mich aber stört ist, dass wir seit geraumer Zeit von der Schulleitung in unserem Schulkreis nichts mehr hören. Ich habe mich deshalb schon bei der Pro Senectute gemeldet und nachgefragt. Die teilten mir aber mit, dass das nicht zu ihren Aufgaben gehöre.